Donnerstag, 20. November 2014

Lesekochbuch Bayreuth – Birgit Ringlein & Reiner Benker

Rezepte und Geschichten rund um den Gleeßtopf
Auch wenn es mich in Sachen Kochen und Backen häufig in die Ferne zieht und ich vor allem der Mittelmeerküche sehr zugetan bin, so gibt es doch immer wieder Zeiten in denen ich mich gerne auf traditionelle Gerichte meiner Heimat besinne. Gerade im Herbst, wo in vielen oberfränkischen Orten Kirchweih gefeiert wird, finde ich es besonders schön und heimelig, nach alten Rezepten meiner Großeltern zu kochen. Da geht es mir wie Birgit Ringlein und Reiner Benker, den Autoren des Lesekochbuchs Bayreuth, denn auch bei mir werden Kindheitserinnerungen wach, wenn Bratendüfte durch die Küche ziehen und das Wasser im “Gleeßtopf” kocht. Zur Erläuterung für alle Nicht-Oberfranken: “Gleeßtopf” ist der Topf, in dem die Klöße gekocht werden.
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Das eben erwähnte Lesekochbuch ist etwas ganz Besonderes. Zum einen gibt es mir die Möglichkeit, die traditionelle Küche Bayreuths mit meinen Hofer Rezepten zu vergleichen, denn in beiden Städten ist die oberfränkische Küche zuhause, es ist vieles ähnlich, aber man findet doch immer wieder regionale Unterschiede.
Die Gleeß (Klöße) werden in Bayreuth eigentlich genauso zubereitet, wie ich es kenne, vielleicht mit kleinen Abweichungen bei den Mengenangaben. So gab es kürzlich Klöße nach dem Bayreuther Rezept, und was soll ich sagen, es passt!
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Neugierig war ich auch auf die “Kerbassubbm” (Kürbissuppe), denn ich habe sie bisher ein klein wenig anders gemacht. Auch hier konnte mich das Ergebnis aus dem Bayreuther Lesekochbuch überzeugen, und ich werde demnächst öfter mal regional ein wenig “fremdgehen” Zwinkerndes Smiley
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Es gibt vieles, was ich ebenso zubereite, wie es die Autoren beschreiben, sei es die “Grießgleeßlasubbm” (Grießklößchensuppe), die “Pfannakungsubbm” (Pfannkuchensuppe oder Flädlesuppe), “Saura Zipfl” (saure Bratwürste aus dem Sud) oder “Sauerbrodn” (Sauerbraten), der auch bei uns mit “Reibkung” (Soßenkuchen) gemacht wird und einfach traumhaft schmeckt. Manche Gerichte kenne ich ähnlich, wie beispielsweise “Schnitzla” (Gemüsesuppe) ist ein Pendant zu unseren “Hofer Schnitz” (reichhaltiger Gemüseeintopf), die bei uns mit “Baggala” (Kartoffelpuffer) auf den Tisch kommen. Auch für diese Puffer gibt es ein Bayreuther Rezept, im Buch unter “Gabaggna Gleeß” zu finden.
Beim Blättern durch das schöne Buch kamen Erinnerungen hoch, und es wurden Sehnsüchte wach. Der “Kaapfm blau” (Karpfen blau) entspricht dem, was bei uns traditionell an Silvester früher gegessen wurde, und ein ähnliches Gericht, wie den “Wegglasbudding” (Brötchenpudding) hat meine Großmama früher oft zubereitet.
Auch mir völlig Neues konnte ich im Buch entdecken, und ich werde ganz sicher
den Bierbraten ausprobieren, ebenso wie die Bratwurstpfanne. Interessant klingt auch der “Graudsbrodn” (Krautsbraten), den ich auf jeden Fall nachkochen möchte. Es wird nicht nur die Alltagsküche gezeigt, sondern auch viele Festtagsgerichte werden in diesem Buch vorgestellt, so dass für das leibliche Wohl in allen Lebenslagen das Passende dabei ist.
Aber wieso “Lesekochbuch”? Zwischen den über 90 Rezepten findet man reichlich Lesestoff, in Form von kleinen Anekdoten, Gedichten, Erinnerungen und Geschichten rund um die schöne Stadt Bayreuth und ihre Bewohner, damals und heute.
Wie heißt es so schön: “Das Auge isst mit”, und bei diesem Buch hat es auch reichlich Gelegenheit dazu, denn viele Rezepte sind mit ansprechenden Fotos ergänzt, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.
Auch ein paar kulturelle Eindrücke bietet das Lesekochbuch, beispielsweise ist das Bayreuther Festspielhaus, in dem die berühmten Wagner-Festspiele stattfinden, auf dem Vorsatzpapier zu sehen. Das Umschlagbild zeigt den Sonnentempel und einen kleinen Ausschnitt der Orangerie aus der Bayreuther Eremitage. Bayreuth ist eine Bierstadt, und so kann man auch eine Außenansicht des Maisel’s Brauerei- und Büttnereimuseums im Buch betrachten.
Es gäbe noch viel über das Buch zu erzählen, aber noch besser ist natürlich, es sich selbst anzusehen, denn für alle, die regionale Kochbücher lieben und vielleicht sammeln, ist dieses ein Schatzkästlein. Nicht nur Oberfranken, sondern auch Auswärtige können sich ruhig trauen, denn für alles Mundartliche  ist immer eine Übersetzung dabei.
Ein besonderes Schmankerl ist nämlich das “Bareitha Wörterbuch” (Bayreuther Wörterbuch), ein Mundart-Wörterbuch, das sich an die Rezepte anschließt. Hier werden mundartliche Begriffe von “Aach” (Auge) bis “Zwaawos” (Zweierlei) erklärt. Vieles kennt man auch als Einheimischer nur noch von früher, und wenn man es in dieser originellen Zusammenstellung liest, muss man unwillkürlich schmunzeln, ganz besonders beim Abschnitt “Schimpfwörterbuch”. Nur Eingeweihte wissen, was beispielsweise ein “Drudscherla” (langsames, naives Wesen) ist. oder was man unter einem “Grischbala” (dürrer, hagerer Mensch) versteht.
Der November neigt sich dem Ende zu, und Weihnachten rückt langsam aber stetig näher, und so wäre es naheliegend, das Lesekochbuch Bayreuth als hübsche und originelle Geschenkidee in Betracht zu ziehen, vielleicht für junge Oberfranken, damit sie die Traditionen ihrer Heimat in Küche und Sprache nicht ganz aus dem Gedächtnis verlieren oder für Kochbuchsammler, vielleicht auch für gebürtige Oberfranken, die mittlerweile anderswo leben, als schöne und schmackhafte Erinnerung an die alte Heimat. Ideen gibt es viele, und das Lesekochbuch Bayreuth ist für jede Küche und jedes Bücherregal eine vielfältige Bereicherung.

Nachtrag am 23.11.2014: Heute war es mir spontan nach einem schnellen und unkomplizierten Sonntagskuchen. Da ich die Zutaten alle im Haus hatte, habe ich mich für den Nusskuchen aus dem Bayreuther Lesekochbuch entschieden. Das Tolle ist, dass man nur drei verschiedene Zutaten benötigt: Puderzucker, Eier und gemahlene Nüsse. Das Ergebnis ist phänomenal. Es ist ein richtig schön lockerer und saftiger Kuchen geworden. Mein Mann meinte, das sei der leckerste Nusskuchen, den er je gegessen hat!



Herzlichen Dank an den Sutton Verlag und an Birgit Ringlein für das schöne Rezensionsexemplar.

Donnerstag, 6. November 2014

Unsere Friaul Rezepte – Gisela Hopfmüller, Franz Hlavac


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Wie das Vorwort dieses Buches verrät, hat das Autorenehepaar Gisela Hopfmüller und Franz Hlavac vor einigen Jahren das Friaul zu seiner Wahlheimat erkoren.Schon bald nach dem Bezug ihres Hauses in Varmo fingen die Autoren an, sich intensiv mit dem Friaul und seiner Küche zu beschäftigen. Es ist nicht ihr erstes Friaulbuch, denn schon vorher sind zwei Bücher über diesen Landstrich, die Menschen, die Traditionen und die Küche dort erschienen, doch während es sich bei den ersten beiden Bänden eher um Reise-Ratgeber, Fotobände, Landschafts- und Kulturbeschreibungen sowie Einkaufsratgeber handelt, ist dies hier ein reines Kochbuch.
Das Autorenpaar hat eine große Auswahl an Rezepten zusammengetragen, teils von Restaurants oder Trattorien, teils aus friulanischen Privathaushalten, ergänzt durch Ideen aus der eigenen Küche. Alle Gerichte im Buch wurden den vier Jahreszeiten zugeordnet, denn die Küche des Friauls konzentriert sich auf regionale und saisonale Zutaten. Zu jedem der gezeigten Gerichte gibt es auch gleich die passende Weinempfehlung.

Beim ersten Durchblättern ist mir aufgefallen, dass ein Großteil der Rezepte sehr einfach ist und mit wenigen Zutaten auskommt. Das ist typisch für die Küche der Region, denn diese ist sehr ursprünglich und puristisch, dabei gehaltvoll und vielfältig und trotz einer gewissen Üppigkeit auch gesund.

Bereits beim ersten Betrachten der Fotos habe ich eine ganze Reihe Markierungen bei den Rezepten angebracht, die ich unbedingt ausprobieren möchte. Besonders die Gemüsezubereitungen und die Fischgerichte haben es mir angetan, denn das sind die Themen, die ich besonders mit Italien verbinde. Indem ich italienisch koche, kann ich mir einen Hauch von Süden in meine eigene Küche holen und von sonnigen Urlaubstagen träumen. Als Inspiration dazu sind die im Buch gezeigten Bilder der Fotografin Mayda Mason bestens geeignet.

Zuerst habe ich ein Gericht ausprobiert, das sehr schnell und einfach zubereitet ist und das wundervoll schmeckt. Die benötigten Zutaten hatte ich alle im Haus, so dass ich gleich loslegen konnte.
Obwohl die Zucchininudeln im Buch stellvertretend für den Sommer stehen, hat uns dieses Pastagericht auch im Herbst sehr gut geschmeckt, und es ist gleich auf meine Liste der Rezepte gerutscht, die ich zu Rate ziehe, wenn es schnell gehen muss, denn auch dann braucht man auf Genuss nicht zu verzichten. 
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Typisch italienisch sind für mich auch die flachen, dabei aber ziemlich gehaltvollen Kuchen, die nicht nur bei der Kaffeetafel am Nachmittag in Erscheinung treten, sondern auch häufig, in Kombination mit einem kräftigen Espresso, als Dessert serviert werden. Daher habe ich mich spontan für einen herbstlichen Haselnusskuchen entschieden. Auch für ihn benötigt man nur wenige Zutaten, und er ist sehr schnell zubereitet. Er schmeckt richtig gut aromatisch nach Nüssen und ist innen noch schön saftig.

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Einen kleinen Wermutstropfen gibt es jedoch für mich, denn ich habe ein Problem mit der Beschaffung einiger Zutaten. Was man im Friaul sicher leicht beziehen kann, ist in meiner Region leider nicht zu kriegen. In Großstädten tut man sich damit sicher leichter, aber ich habe keine Ahnung, woher ich Chicoréesprossen, Hopfensprossen, Stängelkohl oder Leimkraut nehmen sollte. Auch italienische Wurst, wie Cotechino oder Pitina, werde ich leider hier nirgends kaufen können.

Aber es sind ja noch genügend andere Rezepte im Buch, die künftig meinen Speiseplan bereichern. Ich freue mich auf verschiedene Varianten von Teigtaschen und Risotto, auf gefüllte Calamari und geschmorten Seeteufel, um nur einige der Leckereien zu nennen. Sicher werde ich auch die Grappakirschen ausprobieren, und ich würde nur allzu gerne den Nusslikör ansetzen. Hier werde ich jedoch wieder an meine Grenzen stoßen, denn dafür bräuchte ich grüne, unreife Walnüsse. Aber vielleicht  findet sich dafür ja eine Lösung, denn das Ergebnis sieht sehr verführerisch aus.
Insgesamt waren meine ersten Eindrücke zu diesem Kochbuch überzeugend, und es werden noch viele weitere friulanische Gerichte folgen, die ich nachkochen oder backen möchte.



Herzlichen Dank für die Überlassung eines Rezensionsexemplars an den Pichler Verlag und die Agentur Literaturtest.