Montag, 13. Oktober 2014

Italien vegetarisch – Claudio Del Principe (Hg.:Katharina Seiser)


SAM_2342Dieses wunderschön aufgemachte Buch wendet sich nicht nur an Vegetarier, sondern an alle, die gerne italienisch kochen und essen, dabei aber öfter mal auf Fleisch verzichten möchten. Da ich einerseits die italienische Küche sehr liebe und größtenteils vegetarisch koche, war dieses Konzept für mich natürlich gleich doppelt interessant. Sieht man sich in Lebensmittelgeschäften und Märkten die Regale an, stellt man fest, dass immer mehr vegetarische “Ersatzprodukte” angeboten werden, manche mehr, manche weniger sinnvoll in der Zusammenstellung, die meisten aber sehr teuer. Da schließe ich mich doch lieber der Aussage des Autors im Vorwort an, wo er empfiehlt, lieber italienisch zu kochen, statt zu exotischen Ersatzprodukten zu greifen. Die italienische Küche hat gerade bei den Gemüsegerichten eine große Vielfalt zu bieten, denn sie orientiert sich an alten Traditionen und verwendet zum Großteil Zutaten, die regional und saisonal gerade verfügbar sind. Italienische Gerichte können ländlich rustikal, aber auch jederzeit elegant und raffiniert daherkommen, wobei sich auch häufig alle diese Eigenschaften in einem Rezept vereinen. Vieles ist so einfach in der Zubereitung und erhält seine Raffinesse gerade durch die Verwendung natürlicher und sonnengereifter Zutaten aus der näheren Region. Auch wenn wir nicht in Italien leben, können wir uns den Genuss und die südländische Heiterkeit zumindest ansatzweise auf den heimischen Tisch holen. Mit diesem Kochbuch hat man hierzu einen idealen Begleiter.
Schon die Einteilung ist meines Erachtens sehr gelungen. Alle Rezepte sind nach den Jahreszeiten geordnet, dazu gibt es auch noch ein großes Kapitel, das mit “Jederzeit” überschrieben ist und Rezepte enthält, die das ganze Jahr über Saison haben. Hier findet man auch eine Menge an Basisrezepten, die man dann mit frischen Zutaten der jeweiligen Jahreszeit ergänzen und abändern kann.
In jedem dieser fünf großen Kapitel findet man jeweils einen Abschnitt für
  • Antipasti, Brot und Pizza
  • Suppen
  • Salate und Gemüse
  • Pasta, Polenta und Reis
  • sowie für Süßes.
Neben der Rezepte-Übersicht gleich am Anfang des Buches, wo alle Gerichte nach den oben erwähnten Punkten geordnet sind, findet man im Anhang ein Register, wo man die Rezepte nach Hauptzutaten aussuchen kann. Hier gibt es außerdem noch ein Glossar mit Erklärungen der wichtigsten Begriffe.
Die Rezepte sind größtenteils einfach nachzumachen und beschränken sich auf wenige, hochwertige Zutaten. Hält man sich an die Erläuterungen der Zubereitung und die empfohlenen Garzeiten, wird man ein wohlschmeckendes Ergebnis erhalten. Gerade die Qualität einer frisch gekochten Tomatensoße steht und fällt mit der Garzeit, denn sie will lange köcheln. Mit den tollen Basisrezepten und den ergänzenden Tipps gelingt auch ohne große Vorkenntnisse ein perfektes Risotto oder eine Polenta mit der idealen Konsistenz.
Die meisten Rezepte basieren auf dem Grundsatz “weniger ist mehr”. Die Zusammenstellung der Zutaten ist oft überraschend und bietet erstaunliche Geschmackserlebnisse (z.B. schmale Bandnudeln mit Artischocken und Erbsen oder Polenta mit Wirsing und Bohnen) Anhand der detaillierten Erklärungen, die ein gutes Ergebnis versprechen, kriegt man direkt Lust, einmal wieder frische Nudeln selbst zu machen. An den im Buch enthaltenen Pizzarezepten sieht man, dass es gar nicht vieler besonderer Zutaten bedarf, um ein schmackhaftes Gericht zu zaubern. Da reichen oft schon ein paar Tomaten und eine Kugel Mozzarella.
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Sehr lecker ist zum Beispiel dieses Zucchinigemüse in Tomatensoße. Die Empfehlung, das Gericht mit pochierten Eiern zu servieren, hat uns sehr gut geschmeckt und kommt nun häufiger in dieser Art auf den Tisch.
Nicht vergessen darf man auch die vielen Ideen für eingelegtes oder konserviertes Gemüse.
Schöne Vorschläge gibt es auch in den “süßen” Kapiteln. Wer es üppiger mag, wird sicher die süßen Krapfen mit Rosmarin und Anis ausprobieren, einen Mandel-Schoko-Kuchen oder weiche Amaretti backen. Aber manchmal reicht vielleicht auch etwas Leichtes zum Dessert, wie Kaffeeparfait, Zitronengranita oder gefüllte Pfirsiche. Es gibt auch eine Anleitung, wie man Limoncello selbst ansetzt. Da ich diesen Zitronenlikör liebe, werde ich das sicher einmal machen und mir mit dem Zitronenaroma hoffentlich einen Hauch von Sommer in die kalte Jahreszeit retten. Es gäbe noch so viel zum Buch zu erzählen, und die vielen Farbfotos zu den Rezepten machen Appetit auf mehr.
Die ergänzenden Ratschläge zu den Rezepten animieren dazu, selbst Neues auszuprobieren. Immer findet man auch Empfehlungen für Getränke, die besonders gut zu den Gerichten passen.
Eine sehr interessante Sache, die ich demnächst unbedingt ausprobieren möchte, ist der Ansatz und die Pflege von Mutterhefe, durch die man einen Teil der gekauften Hefe in den Brot- und Pizzarezepten ersetzen kann. Ich bin gespannt auf das Ergebnis und werde berichten, wie es geklappt hat.
Hier hat man einerseits ein vegetarisches, italienisches Grundkochbuch, zugleich aber auch eine Fülle von neuen Rezepten und Ideen.
Auch die äußere Aufmachung dieses Kochbuchs möchte ich nicht unerwähnt lassen. Das Konzept ist sowohl inhaltlich als auch von der Ausstattung her sehr gelungen, und der Leinenrücken des Einbands unterstreicht die Wertigkeit dieser Ausgabe. Es gibt auch drei Lesebändchen im Buch, sinnigerweise in den italienischen Farben gehalten.
Vielen Dank an
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für das Rezensionsexemplar und die Möglichkeit, die vielen schönen Rezepte auszuprobieren.

1 Kommentar:

  1. Zucchini mit porschierten Eiern klingt sehr lecker. Wär was für mich, ich esse kein Fleisch.

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