Montag, 28. Oktober 2013

Schmankerln aus dem Bauernjahr - Irmengard M. Hofmann, Abt em. Berthold Heigl OSB

Was Bauern und Mönche gerne essen

Es ein Kochbuch zu nennen wäre reichlich untertrieben. Ich würde „Schmankerln aus dem Bauernjahr“ vielmehr als kulinarisches Jahrbuch bezeichnen, denn es sind nicht nur jede Menge Rezepte enthalten, sondern daneben auch viele kleine Geschichten und Anekdoten sowie Erläuterungen von Gebräuchen, rund ums Bauern- und Kirchenjahr.
Alles ist schön übersichtlich nach Jahreszeiten geordnet, und die Rezepte orientieren sich an den kirchlichen Festen. Es finden sich für jede Saison die passenden Gerichte, abgestimmt mit den Zutaten, die zur jeweiligen Zeit gerade in Fülle vorhanden sind.
Die einzelnen Kapitel werden immer mit einem doppelseitigen, nostalgischen Gemälde eingeleitet und enthalten die Rezepte für einen oder zwei Monate. Natürlich sind auch Gerichte beschrieben, die man durchaus das ganze Jahr über zubereiten kann und die immer schmecken.
Bisher habe ich drei Spezialitäten aus dem Buch ausprobiert und war in jedem Fall begeistert.
So gab es kürzlich bei uns die „Wadschunken in würziger Rotweinsoße“, dazu ein fruchtig-würziges Rotkraut, welches ebenfalls mit Rotwein zubereitet wurde. Es passte ganz hervorragend zusammen und hat,  mit Semmelknödeln serviert, ausgezeichnet geschmeckt.

 

Auch mit dem warmen Apfel-Birnen-Kuchen, der im September-Kapitel empfohlen wird, habe ich meine Lieben verwöhnt und bin sehr angetan von diesem unkomplizierten und zugleich so leckeren Backrezept.


Beim Schmökern im Buch habe ich noch jede Menge feiner Sachen entdeckt, die ich in nächster Zeit ausprobieren möchte. Ob es etwas Deftiges, Warmes sein soll, wie die Kärntner Kassuppn, die Erdäpfelmaultaschen oder der Rollgerstltopf, oder ob man sich auf etwas Süßes freut, wie Topfennockerl auf Weichselspiegel, saftigen Mohngugelhupf oder die festliche Weihnachtstorte, hier hat man eine Vielfalt an traditionellen Gerichten, die zum großen Teil durchaus einfach nachzukochen sind, dabei jedoch durch gute und frische Zutaten zu einem kulinarischen Erlebnis werden. Für Feiertage und andere Festlichkeiten darf es dann durchaus ein wenig üppiger und komplizierter sein, wobei sich die meisten Gerichte auf wenige, leicht erhältliche Zutaten beschränken.
Da es sich um österreichische Schmankerl handelt, bin ich sehr froh, im Anhang ein Glossar zu haben, wo alle besonderen Begriffe erklärt sind. Dort habe ich dann erfahren, dass es sich bei den oben genannten „Wadschunken“ um Rinderwade handelt und dass man unter „Röster“ ein Kompott oder Mus versteht.
Glücklicherweise gibt es zu vielen Rezepten auch farbige Fotos, so dass man schon beim Betrachten Lust aufs Kochen oder Backen bekommt und auch vorab genau weiß, wie das fertige Gericht aussehen sollte und wie man es besonders hübsch anrichten kann. Leider sind nicht alle Speisen abgebildet. Bei Suppen oder Kohlgerichten ist das auch nicht unbedingt notwendig, denn das kann man sich auch so gut vorstellen. Vermisst habe ich ein Foto aber beispielsweise beim Allerheiligenstriezel, den ich gerne backen möchte. Im Rezept ist nur beschrieben, wie man in Etagen Zöpfe aus  mehreren Strängen zusammensetzt, aber um mir das Ergebnis vorstellen zu können, musste ich dann doch Google bemühen.

Das ist aber schon mein einziger Kritikpunkt, denn ansonsten bin ich von diesem Buch absolut begeistert und werde es sicher immer wieder zur Hand nehmen, wenn es darum geht, etwas Besonderes auf den Tisch zu bringen, das zur Jahreszeit passt, aus heimischen Zutaten bereitet wird und bodenständig-traditionell ist. 


Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar an den Pichler Verlag und an Literaturtest.